Dramatische Dürre im Okavango Delta

Tiere in Not. Kommt nun mit der erneuten Dürre das große Sterben?

Gerade kehrte der Tierfilmer, Künstler und Umweltaktivist Matto Barfuss aus Namibia und Botswana zurück. Seit nunmehr 24 Jahren bereist und dokumentiert er stets zur gleichen Zeit die selben Gebiete. Februar und März sind eigentlich Teil der Regenzeit im südlichen Afrika. Überwiegend östliche Winde treiben Regenwolken, die sich über dem Indischen Ozean bilden, weit gen Westen auf das Festland. In den guten Zeiten gibt es auch mal mehrere Regentage hintereinander oder kräftigen Kalaharigewitter setzen die zahlreichen Salzpfannen unter Wasser. So bereitet sich die Kalahari auf die lange Trockenzeit von Ende April bis oft in den Dezember vor. So lange wird dann um jeden Tropfen Wasser gekämpft, denn Kalahari heißt „Ort des ewigen Durstes“. Und dieses Jahr droht nach 2019 die nächste große Dürre.

Dieses Jahr ist alles anders, und das nicht zum ersten Mal in der zurückliegenden Dekade. Spitzenwetterlagen werden zu einem normalen Phänomen. Es wird immer heißer und trockener. Der Klimawandel trifft ein ohnehin schon gebeuteltes Gebiet mit voller Wucht. Das Jahr 2024 scheint aber alles noch einmal zu verschärfen.

In 24 Jahren noch nie so eine Hitze erlebt…

„In den 24 Jahren habe ich noch nie Phasen solch anhaltender Hitze erlebt“, sagt Matto Barfuss. „Was gänzlich fehlt, sind Phasen der Abkühlung, die sonst die legendären Kalaharigewitter bringen. Allenfalls ein Trockengewitter mit wenigen Regentropfen ließen ein wenig Hoffnung auf Kühlung aufkommen, ehe die nächste Hitzewelle das Land und seine Bewohner wieder erstarren ließ.“

Tiere ändern situationsbedingt ihr Verhalten, wie Matto anhand von vielen Beispielen berichtet. Matto filmte unter anderem auch die Erdmannfamilie des ‚Eddi Erdmann‘, der in seinem medialen Kunstwerk auf vielen tausend digitalen Wänden in Deutschland für Biodiversität und einen gefühlvolleren Umgang mit unser aller Planeten wirbt.

Erdmännchen stehen nun schon weit vor Sonnenaufgang auf. Anstatt sich erst Sozialverhalten oder der Pflege des Baues zu widmen, ziehen sie ohne Umschweife los und sammeln im Eiltempo Nahrung. Doch so viel gibt es in den ausgetrockneten Böden nicht mehr an Käfern und Engerlingen auszugraben. Dennoch muss spätestens um 10 Uhr Schluss sein, denn dann ist der Sand schon so heiß, dass sie sich die Pfoten verbrennen würden. Familie Erdmann trifft sich also wieder im Bau und startet am späten Nachmittag weitere Versuche den noch immer heißen Sand unter den Pfoten auszuhalten, damit man dem vom schnellen Stoffwechsel geplagten Körper noch weitere Energie zuführt. Untypischerweise ist dann zum Sonnenuntergang das Tagewerk bei weitem nicht erbracht. Erdmännchen suchen jetzt teilweise bis in die Nachtstunden, was ein großes Risiko ist. Viele Feinde sind unterwegs und Erdmännchen die am Tag sehr gut sehen, haben dann oft das Nachsehen, weil ihre Feinde im Vorteil sind.

Lethargie macht sich breit…

„Es scheint mir, als mache sich unter den Tieren in dieser Dürre eine gewisse Lethargie breit“, berichtet Matto. „Sonst filme ich in den normalen Regenzeiten wunderbare Geschichten. Jetzt machen Tiere allenfalls das Notwendigste. Besonders Löwen verlegen ihre Aktivitäten in die Nacht. Früh um 7 Uhr war dann der Zeitpunkt, wo die Großkatzen sich in den nächstbesten Schatten  regelrecht verbarrikadierten.“

Besonders berührt hat den Tierfilmer eine Szene im teilweise ausgetrockneten Okavango Delta. Ein großes Krokodil lag von einer dickem Schlammkruste überzogen in seinem ehemaligen Pool und wurde von ebenso durstigen Wildhunden ungläubig angestarrt.

Das berühmte Okavango Delta ist ja das größte Binnendelta der Erde. Zu besten Zeiten dehnt es sich auf über 15.000 qkm aus. Von dieser Größe kann es und stellvertretend auch rund 150.000 von ihm abhängige Elefanten in diesem Jahr nur träumen. Selbst vom Oberlauf des Flusses in Angola gibt es keine  hoffnungsfrohe Nachrichten. Es hat zu wenig geregnet. Die Flut fällt eher gering aus. Noch dazu werden von chinesischen Betreibern für Reisanbau viel zu viel Wasser aus dem Okavango bereits am Oberlauf entnommen. An der Quelle des so wichtigen Flusses denkt keiner daran, dass in seinem Delta Elefanten hoffen, in der langen Trockenzeit die täglich benötigen bis zu 150 Liter Wasser aus seinen zahlreichen Kanälen zu trinken. Kommt also jetzt mit der Dürre das große Sterben?

Biodiversity Credits…

Mit Partnern aus der Wirtschaft, die hoffentlich noch sehr viel zahlreicher werden, arbeitet Matto Barfuss und sein Team mit Hochdruck an dem Thema, Natur einen großen skalier- und handelbaren Wert zu geben. Dahinter steht die Idee der Biodiversity Credits. Mit dem Erdmännchen ‚Eddi Erdmann‘ wird diese spannende Idee in eine breite Bevölkerung getragen. Das Erdmännchen spielt auch im Kinofilm PAMBARA die Hauptrolle und mahnt auf eine sehr unterhaltsame Art  zu einem bewussteren Umgang mit unserem Planeten.

Am 26.03. berichtet Matto Barfuss live in der Sendung ‚DAS‘ im NDR über das Projekt und seine gerade abgeschlossene Filmexkursion. Zeitgleich wird an diesem Tag der Kinofilm auf www.pambara.com zum Streamen frei gegeben.

Aktuell gibt es noch 2 Zimmer für das nächste Afrikawochenende vom 12. bis 14.04.2024. Hier die Infos.

Die Dürre macht den Erdmännchen sehr zu schaffen
Erdmännchen leiden
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